»BARBIE ODER BITCH?«

Der öffentliche Diskurs um Sexualität:  Neue Freiheit oder konservative Wende?
Positionen und Perspektiven feministischer Mädchenarbeit

Fachtag am 22. September 2011 in Gießen

LAG Mädchenpolitik in Hessen e. V. in Kooperation mit der 
Jugendförderung des Landkreises Gießen und dem 
Jugendbildungswerk der Universitätsstadt Gießen

Die Öffentlichkeit redet über Sex und über Mädchen, freut sich über Castingshows á la Germanys next Topmodel und beklagt sich gleichzeitig über die sexuelle Verwahrlosung der Jugend oder die »sexuelle Tragödie«. Mädchen bewegen sich damit in einem Spannungsfeld zwischen scheinbaren sexuellen Freiheiten und konservativen Ansprüchen: Barbie oder Bitch?!

Auf der einen Seite inszeniert die mediale Öffentlichkeit sexualisierte Bilder von starken Mädchen, denen in Zeiten neoliberaler Freiheit ja alle Handlungsoptionen zur Verfügung stehen: »Sei ganz du selbst!«. 

Diese scheinbaren Freiheiten werden gleichzeitig von bestehenden konservativen Strukturen eingeschränkt. Denn, »du selbst zu sein« bedeutet für Mädchen den normativen Ansprüchen einer sexistischen, heteronormativen Welt ent-sprechen zu müssen, die Erfahrungen von Scheitern, Diskriminierungen oder Sexismus in die individuelle Verantwortung delegieren. 

Diese doppelten Botschaften prägen die Selbstinszenierungen sowie das Selbstverständnis von Mädchen. Es gibt in Zeiten der »Alphamädchen« nur noch wenige Erfahrungsräume, in denen Mädchen diese Widersprüche entdecken und ein Recht auf Widerstand entwickeln lernen. 

Mit dem Fachtag  soll ein Raum zur fachlichen und politischen Diskussion geschaffen werden, in dem Bilder und Ansprüche von Mädchen und die damit verbundenen Lebensentwürfe, Identitäten und Sexualitäten als ein Abbild von sexistischen Verhältnissen verstanden und zum Ausgangspunkt feministischer Mädchenarbeit gemacht werden. Dabei werden folgende Fragen handlungsleitend sein:

  • Wie leben Mädchen und junge Frauen Sexualität heute, welchen Einfluss haben neue Medien auf sexuelle Identitäten, Beziehungen und Lebensentwürfe?
  • Wie verhandeln sich Bedarfe und sexuelle Handlungskonzepte von jungen Frauen und Mädchen in diesen aktuellen Diskursen?
  • Wie stellen sich sexistische Verhältnisse heute dar und her und welchen Einfluss haben diese auf die feministische Mädchenarbeit und Mädchenpolitik? 
  • Welche Bilder, Haltungen und Ansprüche werden hier vermittelt und wie kann eine aktive, feministische und parteiliche Mädchenarbeit und Mädchenpolitik aussehen?

Ausgehend von diesen Fragen möchte die Fachtagung dazu anstiften, kritisch zu analysieren, wie im Kontext neoliberaler, sexueller Freiheitsversprechen, Widersprüche und Erleben von Mädchen verdeckt und antifeministische, heteronormative sowie konservative Diskurse etabliert werden.

PDF Einladung »

 

Tagungsablauf

 

10:00 Uhr  Ankommen

10:30 Uhr  Begrüßung 

11:00 Uhr  Hauptreferat von Dr. Alexandra Klein
»Sexuell werden 2.0 – Aktuelle Debatten und empirische Befunde zur sexuellen Sozialisation und zum sexuellen Erleben von Mädchen«

12:15 Uhr  Vorstellung der Workshops

13:00 Uhr  Mittag

14:30 Uhr  WORKSHOPS

16:30 Uhr  Abschluss und Abschied

 

Workshops

 

Workshop 1
Clarissa Bachmann, Mädchenprojekt MAXI/Frauen- und Mädchengesundheitszentrum MEDEA e. V. Dresden
Liebe, Lust und Frust?! Sexualpädagogische Methoden für die Arbeit mit Mädchen in der Pubertät
Mädchen werden heute von einer sexualisierten Medienwelt mit  Frauenbildern überflutet, die ihnen ein widersprüchliches Bild von ihrer Rolle als Frau und ein oberflächliches Halbwissen über Sexualität vermittelt, was sie stark verunsichert und unter Druck setzt. Wie können wir als Pädagoginnen Mädchen bei der Entwicklung einer selbstbestimmten Sexualität unterstützen?

Im Workshop werden sexualpädagogische Konzepte vorgestellt und bewährte Praxismethoden  gemeinsam ausprobiert.

Workshop 2
Elke Kreß, Lesben Informations- und Beratungsstelle (LIBS) e. V., Frankfurt am Main, Vorstandsfrau der BAG Mädchenpolitik e. V.

Nicht-gesehen anders – eine Aus-ein-an-der-setzung mit Heteronormativität
Was beutet es für ein Mädchen in einer heteronormativen Gesellschaft zu leben und sich in ein Mädchen zu verlieben?
Dabei werden oft nur ihr Begehren und ihre körperliche Lust auf das gleiche Geschlecht gesehen. Doch es geht um mehr, als um ihre sexuellen Vorlieben und Praktiken – ihr Lesbisch-Sein ist ein wichtiger Teil ihrer Persönlichkeit. Wie findet dieses Mädchen zu ihrer eigenen Identität? Was fördert und was stärkt sie dabei? 

Workshop 3
Christine Weiss, Medienpädagogin
XXX – Neue Medien, Mädchen und Pornografie
Im Mittelpunkt der Diskussion um das Internet steht immer wieder der Zugang, Umgang und das Angebot von Pornografie.
Dabei gibt es wenig Fakten dazu und der Diskurs ist moralisch und emotional stark aufgeladen. Die Darstellung von Sexualität – nicht nur in Pornos – spiegelt gesellschaftliche (Geschlechter-)Verhältnisse und Wertvorstellungen wider und verhandelt erwünschtes und unerwünschtes Verhalten. Deswegen ist es nicht nur wichtig sich anzuschauen, wie diese Bilder entworfen werden, sondern auch wie diese in der feministischen Mädchenarbeit thematisiert und genutzt werden können. 

Workshop 4
Sookee, Feminist/Queer Rapperin, Berlin, Label Springstoff
Bitches und Barbies vereinigt euch!
HipHop als größte männlich dominierte Jugendkultur weltweit macht es sich im Umgang mit Frauen(-bildern) einfach, indem sie in Heilige und Huren unterteilt werden. Viele Mädchen und Frauen unterstützen diese Spaltung, um sich über die Abgrenzung zu denen, die abgewertet werden, Anerkennung von der männlichen Vorherrschaft zu sichern. Die Realitäten, die hierüber für Mädchen entstehen, gewöhnen sie auf schmerzhafte Weise an Sexismen, mit denen sie auch in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen konfrontiert werden. Der Workshop fragt danach, wie sich weibliche Solidarität ermöglichen lässt und welche Strategien denkbar sind, über das Vehikel der Jugendkultur Empowerment in die pädagogische Arbeit und damit in den Alltag der Mädchen einfließen zu lassen.

Workshop 5
Alexandra Klein, Dr. phil., Diplom-Pädagogin, Akademische Rätin am Institut für Erziehungswissenschaft, Abt. Sozialpädagogik der Westfälischen Wilhelms Universität
Sexuelle Handlungsbefähigung: Eine Theorie-Praxis-Begegnung
Seit geraumer Zeit beschäftigen sich einige Forscherinnen mit der Frage nach den ungleich verteilten Möglichkeiten, Begehren, Lust und Befriedigung in sexuellen Interaktionen zu realisieren. Dem Konzept von »sexual agency«, das als sexuelle Handlungsbefähigung übersetzt werden kann, kommt dabei ein zentraler Stellenwert zu. Im Workshop soll ausgehend von einem kurzen Input zu diesem Ansatz, die Relevanz für die pädagogische Arbeit diskutiert werden.

 

VERANSTALTERINNEN
LAG Mädchenpolitik in Kooperation mit der

Jugendförderung des Landkreises Gießen und dem
Jugendbildungswerk der Universitätsstadt Gießen

LAG Mädchenpolitik
c/o Waidmannsweg 16
35039 Marburg

lag.maedchenpolitik-hessen@web.de
www.lag-maedchenpolitik-hessen.de

 

VERANSTALTUNGSORT
Justus Liebig Universität Gießen

Philosophikum I
Raum A 5
Otto-Behaghel-Straße 10
35394 Gießen

 

UNTERSTÜTZT DURCH
Das Hessische Sozialministerium

 

Anmeldeschluss 05. September 2011